Lesern dieses Blogs wird nicht entgangen sein, dass ich mit den Vorgängen um die JF… nun … etwas kritisch eingestellt bin. Zwar hat sich der Sturm inzwischen zu einer Brise gelegt; aber ganz beendet ist das Thema für mich noch nicht. Ich mache meinen Frieden – bis nach der Wahl. Dann muss über dieses Thema definitiv noch einmal gesprochen werden. Am besten auf einem Parteitag.
Nun, ich bin Pirat und halte mich daher bis zum Sonntag erst einmal zurück. Andere sind das nicht und schreiben, was sie davon halten. So auch der von mir sehr verehrte Jens Berger im Spiegelfechter. Unter der Überschrift “Klarmachen zum Entern” schreibt er über die Gefahr, die davon ausgehen kann, wenn sich unsere Spitzenpolitiker an den rechten Rand der Gesellschaft begeben:
Das Problem ist … Popps offensichtliche Unfähigkeit, Gefahren von rechts als solche wahrzunehmen. Traut man einem Politiker, der noch nicht einmal merkt, dass er vom Leitmedium der rechtsextremen Intelligenzija instrumentalisiert werden soll, zu, auf mögliche Unterwanderungsversuche der Partei von rechts zu reagieren? Wohl kaum…
Damit spricht Berger genau den wunden Punkt an, auf den ich auch in meinen Artikeln und Kommentaren hinweise: wir müssen begreifen, dass Nazis im Nadelstreifenanzug daherkommen, Kinderfeste veranstalten und sich den Anschein des “guten Onkels von nebenan” geben.
Und er fragt sich – meiner Meinung nach zu Recht – warum Jens Seipenbusch am rechten Rand nach Wählerstimmen zu fischen beabsichtigt:
Von was will Herr Seipenbusch die rechte Intelligenzija denn inhaltlich überzeugen? Von der Gefahr der Internetzensur? Darüber wissen die Sympathisanten der Holocaustrelativierer und Revisionisten schon recht gut bescheid. Ist es Naivität oder Hybris zu denken, ausgerechnet er und sein Kollege Popp könnten ultrarechte Überzeugungstäter überzeugen, zurück ins demokratische Spektrum zu kommen? … Wenn Seipenbusch seine Rechtfertigung mit dem Satz „Die Piratenpartei lässt sich jedenfalls nicht instrumentalisieren und instrumentalisiert auch nicht“ beendet, so ist dies beinahe unfreiwillig komisch.
Ich empfehle den Artikel all denen, die sich noch immer nicht sicher sind, wohin die politische Reise der Piratenpartei zu gehen hat; gehen soll. Schaut Euch meinethalben erst einmal die Kommentare auf meinen letzten Artikel zum Thema an – und dann lest Bergers Artikel…
Auch wenn die Piraten die Begriffe „links“ und „rechts“ so sehr meiden, wie der Teufel das Weihwasser, so müssen sie Stellung beziehen, was für sie Freiheit ist.
So. Nachden nun alle geknickt und traurig sind… möchte ich noch auf einen wirklich hervorragenden Artikel beim ORF hinweisen: Deutschland und die Kontrollneurose – ich habe selten eine so gute Analyse über die gesellschaftlichen Hintergründe gelesen, aus denen heraus eine Bewegung, eine Partei entsteht. Und da es sich um eine Stimme von außerhalb (Österreich) handelt ist es doppelt interessant. Wir sehen selten über den Tellerrand; um so besser, wenn von außerhalb unseres Horizonts Rückmeldung kommt:
Erstaunlich: Stark geprägt ist der Bundestagswahlkampf 2009 durch eine neue Gruppierung, die sich “Piratenpartei” nennt, und die seit einigen Monaten beträchtlichen Zulauf verzeichnet. Man hält es angesichts der Ordnungsliebe der Deutschen im Allgemeinen und ihrer Politiker im Speziellen ja kaum für möglich. Alleine schon der Name: “Piraten”. Dergleichen kann in Deutschland eigentlich nicht vorkommen. So was kann’s in Italien geben, naturgemäß, auch in Frankreich, dann noch bei den Schweden oder Dänen. Da ist man Scherze gewohnt. Aber doch nicht in Deutschland, dieser Staat gewordenen Antipode zu aller politischen Spaßkultur.
Und doch: Die Mitgliederzahlen der Piraten haben sich in den letzten drei Monaten mehr als verzehnfacht, mittlerweile stehen die Chancen gut, dass sie ins Parlament einziehen.
[...] Zwei Meinungen eines Tages « Donutpiraten Blog a few seconds ago from api [...]
Hm,
also ich weiß nicht wirklich worauf diese ganze Debatte hinaus führen, soll.
Man darf mit Neo-Nazis bzw, denen nahe stehenden Ideologen nicht reden?
Als grundlegenden Leitfaden für eine Partei die im Sinne der Aufklärung Meinungsfreiheit vertritt?
Sorry mir sieht das Ganze eher danach aus, als könnten sich einige Linke nicht aus der geistigen Umarmung durch Links-außen lösen. Deren Taktik ist es seit je her den Politischen Gegner vom Politischen Diskurs auszuschließen zu wollen und deren Ansichten dadurch zu zensieren. Dieser totalitären Taktik soll sich die Piratenpartei jetzt beugen?
Und sorry, ich glaube nicht an Magie. Wir werden nicht durch das Reden mit Rechten von rechts unterwandert. Schon gar nicht wenn dabei die Aussage fällt, dass wir nicht mit Rechten zusammen arbeiten werden.
Dieses ganze Argument, dass sich darum dreht mit wem man reden darf, ist den Piraten unwürdig.
[ ] Du hast verstanden.
Eike, es geht nicht darum, wer mit wem wann worüber wo reden darf!
Lies Dir bitte den Spiegelfechter-Artikel durch. Und versuche zu verstehen, woher meine Ängste kommen. Wenn Du das nicht kannst: … gut, dann beneide ich Dich um Deine Naivität.
Ich finde diese Haltung von Dir äußerst kritikwürdig – weil sie unglaublich naiv ist und apolitisch. Und ich hoffe und wünsche, dass das nicht die Mehrheit der Piraten ebenso hält.
Kann ja sein, dass ich Kassandra bin… ich würd es mir wünschen… aber ich denke: wir sind noch zu jung und unerfahren als das wir blauäugig durch die (politische) Welt rennen dürfen und uns jedem an den Hals werfen der uns nur zuhört oder eine Plattform gibt.
Du allein kennst Die Wahrheit(tm) und wer nicht deiner Meinung ist, der ist mindestens naiv, wenn nicht sogar apolitisch. Schön, daß wir (nicht) drüber geredet haben.
Unfug. So nen großen Löffel hab ich nicht, um Weisheit damit zu fressen.
Aber es ist verdammt notwendig, dass wir das Thema besprechen – wie sich unschwer aus den Diskussionen herauslesen lässt.
@nicsbloghaus
Du weißt aber schon, dass Popp während des Interviews gemerkt hat, dass da was nicht stimmt? Welchen besseren Beweis für ein Vorhandensein der von dir geforderten Fähigkeit gibt es?
Ja, kein Interview wäre besser gewesen, aber nicht jeder Geek ist nunmal Experte in der Zeitungslandschaft.
Und was Seipenbusch meint ist nicht, dass man die rechtsradikale Intelligenzija überzeugen muss, sondern dass es Leute gibt, die rechtsradikal wählen obwohl sie eigentlich nicht so denken, insbesondere junge Menschen. Wir Piraten sollten versuchen, diese Menschen zurück ins Boot zu holen, das schaffen die linken Stimmen, die uns so kritisiert haben, nämlich genau nicht.
Ich weiß, “ich”.
Aber die Frage muss erlaubt sein, ob die rechts wählenden Protestwähler nun unbedingt bei der JF abzuholen/zu finden sind…
Ich glaube eigentlich auch nicht, das man bei der JF rechte Protestwähler abfangen kann. Und ich glaube auch nicht, das rechte Protestwähler überwiegend die JF lesen. Ein Blick in die Kommentare zeigt, das die meisten da doch ein festes und – diplomatisch ausgedrückt – ziemlich verschobenes und undemokratisches Weltbild haben, welches mit den Werten der Piraten nicht vereinbar ist.
Zu meiner Freude sind wir bei den meisten Kommentatoren der JF übrigens wegen unserer “Rückgratlosigkeit” unten durch. Müssen wir bei all den Fehlern der letzten Tage doch irgendwas richtig gemacht haben.
Und nochmal: Popp hat nicht gewusst, dass er es mit einer rechtslastigen Zeitung zu tun bekommt. Also kann sein Ziel auch nicht gewesen sein, rechts wählende Protestwähler anzusprechen.
Der Kommentar von Seipenbusch hieß auch nicht, dass ab jetzt regelmäßig bei Medien wie der JF versucht wird, Leute abzuholen. Das sieht man schon daran, das die Zeitung wohl keine Interviews mehr kriegen wird. Seipenbusch hat lediglich angemerkt, dass er der Meinung ist, dass ein “Embargo” nur dazu führt, dass fast jeder der einmal bei den Rechtsradikalen landet, nicht mehr zurückkommt. Das wird dann auf Dauer zum Problem.
[...] Zwei Meinungen eines Tages [...]